Manuelle Therapie – Bewegung wieder möglich machen
SIMON ZÖCHLING
AUGUST 26
2 MIN. LESEZEIT
Wenn sich ein Gelenk steif anfühlt, eine Bewegung schmerzt oder der Körper bestimmte Bewegungen zunehmend vermeidet, entsteht schnell das Gefühl:
„Da stimmt etwas nicht – da muss etwas gelöst werden.“
So einfach ist unser Körper allerdings selten.
Bewegungseinschränkungen und Schmerzen können unterschiedliche Ursachen und Einflussfaktoren haben. Die Manuelle Therapie kann dabei ein wertvolles Werkzeug sein, um Beschwerden zu beeinflussen und Bewegung wieder leichter zugänglich zu machen.
Für mich ist sie jedoch nicht das Ende der Behandlung.
Sie ist vielmehr eine Möglichkeit, Bewegung vorzubereiten – damit wir anschließend aktiv weiterarbeiten können.
1. Was ist Manuelle Therapie?
Die Manuelle Therapie umfasst verschiedene physiotherapeutische Techniken, bei denen Gelenke und umliegende Strukturen mit den Händen untersucht und behandelt werden.
Dazu gehören beispielsweise gezielte Mobilisationen eines Gelenks oder Techniken an Muskeln und anderen Gewebestrukturen.
Das Ziel ist dabei nicht, einen Körper „zurechtzurücken“ oder vermeintliche Fehlstellungen zu korrigieren.
Vielmehr können manuelle Techniken dazu genutzt werden, Schmerzen kurzfristig zu beeinflussen, Bewegungen angenehmer zu machen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit zu verbessern.
Dadurch kann ein Bewegungsfenster entstehen, das wir für die weitere Rehabilitation nutzen können.
2. Warum setze ich Manuelle Therapie ein?
Manchmal steht am Anfang einer Rehabilitation nicht fehlende Kraft, sondern die Tatsache, dass eine bestimmte Bewegung momentan kaum oder nur unter Schmerzen möglich ist.
Genau hier kann die Manuelle Therapie sinnvoll sein.
Nach einer gezielten Behandlung überprüfen wir erneut:
Hat sich die Bewegung verändert?
Ist mehr Beweglichkeit möglich?
Fühlt sich die Bewegung leichter oder sicherer an?
Können wir anschließend eine Übung durchführen, die vorher nur eingeschränkt möglich war?
Wenn eine manuelle Technik hier eine Veränderung erzielt, haben wir etwas Entscheidendes gewonnen:
eine bessere Ausgangssituation für Bewegung.
3. Manuelle Therapie und Bewegung gehören für mich zusammen
Eine Verbesserung direkt nach einer Behandlung ist schön – entscheidend ist für mich aber, was wir anschließend daraus machen.
Deshalb kombiniere ich Manuelle Therapie nach Möglichkeit mit aktiver Bewegung.
Wenn beispielsweise die Beweglichkeit eines Sprunggelenks eingeschränkt ist, möchte ich nicht nur daran arbeiten, dass sich das Gelenk auf der Behandlungsbank besser bewegt.
Ich möchte die neu gewonnene Bewegung anschließend belasten, kontrollieren und in jene Bewegungen integrieren, für die du sie tatsächlich brauchst.
Dasselbe gilt für Schulter, Wirbelsäule, Hüfte, Knie oder andere Bereiche des Bewegungsapparates.
Mobilität zu gewinnen ist der erste Schritt. Sie anschließend nutzen zu können, ist das eigentliche Ziel.
4. Wann kann Manuelle Therapie sinnvoll sein?
Manuelle Techniken können bei unterschiedlichen muskuloskelettalen Beschwerden Teil der physiotherapeutischen Behandlung sein.
Dazu können unter anderem schmerzhafte oder eingeschränkte Bewegungen der Wirbelsäule und der Extremitätengelenke sowie Beschwerden nach Verletzungen oder längerer Immobilisation gehören.
Ob Manuelle Therapie sinnvoll ist, hängt für mich jedoch nicht allein von einer Diagnose ab.
Ich möchte zunächst verstehen, welche Bewegung oder Funktion tatsächlich eingeschränkt ist und welche Bedeutung diese Einschränkung für deinen Alltag oder deinen Sport hat.
Erst danach entscheide ich, welches Werkzeug innerhalb der Therapie sinnvoll ist.
Nicht passiv behandeln – sondern aktiv weiterkommen
Manuelle Therapie kann sich unmittelbar gut anfühlen und Bewegung erleichtern.
Langfristige Belastbarkeit entsteht jedoch nicht ausschließlich auf der Behandlungsbank.
Dafür braucht der Körper Bewegung, Kraft, Belastung und die Möglichkeit, sich an diese Belastung anzupassen.
Deshalb sehe ich Manuelle Therapie nicht als alleinige Lösung, sondern als einen Baustein innerhalb eines größeren Rehabilitationsprozesses.
Manchmal braucht es zuerst einen manuellen Impuls.
Was wir mit der dadurch gewonnenen Bewegung machen, entscheidet jedoch darüber, wie es weitergeht.
Inhalt
Simon Zöchling
Spezialisiert auf orthopädische und traumatologische Beschwerden mit Schwerpunkt auf Sportverletzungen.
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